Mittwoch, 1. Dezember 2021
   

Das besondere Buch

Dante Alighieri: "Die Göttliche Komödie"

In diesem Jahr jährt sich der Todestag des großen italienischen Dichters Dante Alighieri zum 700. Mal. Sein Hauptwerk, die „Göttliche Komödie“, ist die wohl berühmteste Jenseitsschilderung der Weltliteratur. Geführt von dem römischen Dichter Vergil und seiner Jugendliebe Beatrice, durchwandert der Autor die drei Reiche der jenseitigen Welt: Hölle, Fegefeuer und Paradies. Auf dem Weg begegnen sie zahlreichen Seelen der Verstorbenen – Figuren aus Geschichte, Mythologie und Literatur – die von ihrem Schicksal auf Erden und im Jenseits berichten.

Die Reise beginnt mit dem Abstieg in die Hölle, die Dante als eine Art Amphitheater aus sich zum Erdmittelpunkt hin verjüngenden kreisförmigen Terrassen darstellt. Entstanden ist dieser Trichter beim Absturz Luzifers und seiner Engel, wodurch auf der Südhalbkugel der Läuterungsberg aus der Erde getrieben wurde. In eindrücklichen Bildern schildert Dante die Qualen der sündhaft Verstorbenen, deren Strafen eine ironische Umkehrung ihrer Verfehlungen und Laster sind. Habgierige müssen auf ewig Felsbrocken vor sich herschieben, Schmeichler sitzen in der Kloake, und im tiefsten Höllenkreis büßen die Verräter, bis zum Kopf eingefroren in einem Eissee steckend, in ihrer Mitte der gestürzte Luzifer, der in seinen drei Mäulern die Erzverräter Judas, Brutus und Cassius zermalmt.

An Satan vorbei steigen Dante und sein Führer Vergil vom Erdmittelpunkt hinauf zum Läuterungsberg (dem Fegefeuer), der als einzige Landmasse aus der sonst meerbedeckten Südhalbkugel ragt. Gegenüber der Trostlosigkeit der Hölle überwiegen nun Buße und Hoffnung. Die Stolzen, den Blick zum Boden gekehrt, müssen riesige Steine schleppen, die Trägen werden zu ständigem Rennen gezwungen und müssen so rastlos Buße tun. Auch Dante selbst muss sich auf seinem Weg von Sünden und falschen Leidenschaften reinigen.

Vor dem Paradies muss Vergil zurückbleiben, da er als Ungetaufter dieses nicht betreten darf. Stattdessen übernimmt nun Dantes verstorbene Jugendliebe Beatrice die Führung und weist ihn in theologische Mysterien und die Schönheit der göttlichen Ordnung ein. Mit dem unmittelbaren Erschauen der göttlichen Dreieinigkeit endet das Werk.

Dantes „Göttliche Komödie“ ist ein epochales Werk, das großen Einfluss nicht nur auf die Literatur der nachfolgenden Jahrhunderte hatte. Auch Künstler ließen sich bis in die Gegenwart hinein von der bildgewaltigen Dichtung immer wieder inspirieren. Besonders eindrucksvoll sind die meisterhaften Kupferstiche von Gustave Doré, die auch in unserer schönen Ausgabe zu sehen sind.

Auch wenn sich manche Details und zeitgeschichtliche Hintergründe dem heutigen Leser nicht mehr erschließen, bleibt die „Göttliche Komödie“ doch eine eindrucksvolle Lektüre, die sich dank der eingeflochtenen Erzählungen und lebendig gestalteten Zwiegespräche auch durchaus unterhaltsam gestaltet; wie für das Mittelalter typisch, schreckt Dante auch vor dem Derb-Obszönen nicht zurück. Der historisch interessierte Leser wird aber auch mit einem Panorama der mittelalterlichen Lebenswelt und Weltanschauung belohnt, das sich vom Weltlichen und Politischen bis zum Hochgeistigen erstreckt. Wer das Mittelalter verstehen will, muss Dante lesen.

MK

 


»zum Buch

 

Start    |    Mediensuche    |    Termine    |    Kinder & Jugendliche    |    Schulen & Kitas    |    Info/Kontakt    |    Datenschutz    |    Mein Konto
Copyright [Year] by OCLC GmbH