Mittwoch, 1. Dezember 2021
   

Das besondere Buch

Eric H. Cline: "1177 v.Chr. - Der erste Untergang der Zivilisation"

Die Bronzezeit endete vor 3200 Jahren mit einem Crash. Einst blühende Kulturen verschwanden plötzlich von der Bildfläche. Der Archäologe Eric H. Cline begibt sich in „1177 v.Chr. – Der erste Untergang der Zivilisation“ auf eine spannende Spurensuche nach den Ursachen dieses Zusammenbruchs.

Die Mitte des 2. Jahrtausends v.Chr. war im östlichen Mittelmeer eine kulturelle Blütezeit. Da waren die mächtigen Reichen Ägyptens und der Hethiter in Anatolien, Stadtstaaten wie Ugarit im heutigen Syrien, die mykenische Kultur in Griechenland mit ihren Palästen und die minoische Kultur auf Kreta, die sogar eine eigene Schrift entwickelte. All diese Reiche standen per Handel und Diplomatie in regem Austausch miteinander. Um 1200 v.Chr. verwandelte sich die Szene fast mit einem Schlag. Paläste und Städte gingen in Flammen auf und wurden verlassen, das hethitische Reich verschwand von der Bildfläche, und Griechenland versank für Jahrhunderte in ein dunkles Zeitalter. Was war geschehen?

Lange wurde die alleinige Schuld bei den sogenannten „Seevölkern“ gesucht, einem losen Bund verschiedener Völkerschaften, die raubend und plündernd das östliche Mittelmeer heimsuchten und selbst für das mächtige Ägypten zu einer ernsten Gefahr wurden. Cline sieht dagegen eine ganze Verkettung von Ursachen, die zum Zusammenbruch der Bronzezeitkulturen führten und von denen die Wanderungen und Raubzüge der Seevölker nur ein Teil waren. So gibt es unter anderem Hinweise auf eine Kaskade von Erdbeben im östlichen Mittelmeerraum und auf eine Klimaverschlechterung, die zu Dürre und Ernteausfällen führte. Womöglich hätte keines dieser Ereignisse allein ausgereicht, den Zusammenbruch auszulösen. Aber in der „globalisierten“ Welt der späten Bronzezeit, die auf funktionierende Handelsnetze angewiesen war, konnte der Ausfall eines Elements in einer Art Dominoeffekt Konsequenzen nach sich ziehen, die zum Kollaps des ganzen Systems führten.

Cline entwirft nicht nur ein faszinierendes Panorama der spätbronzezeitlichen Kulturen, ihm gelingt es auch, den Bogen zum Heute zu schlagen und die fernen Ereignisse der späten Bronzezeit zu einem Spiegel unserer eigenen verletzlichen globalisierten Welt zu machen.

Ein spannendes Sachbuch über ein nur scheinbar abwegiges Thema. Leseempfehlung!

MK

 

 


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